Warum die Eindringtiefe von Schallwellen frequenzabhängig ist
Ein Raum klingt nicht automatisch gut, nur weil viele Absorber montiert sind. Entscheidend ist, welche Frequenzen absorbiert werden. Tiefe Frequenzen benötigen deutlich mehr wirksame Tiefe oder speziell abgestimmte Systeme als hohe Frequenzen.
Wellenlänge bestimmt die Grössenordnung
Die Wellenlänge ergibt sich aus Schallgeschwindigkeit und Frequenz. Bei etwa 343 m/s in Luft ist eine 100-Hz-Welle rund 3,43 m lang, eine 1-kHz-Welle dagegen nur rund 34 cm. Deshalb verhalten sich tiefe Frequenzen gegenüber dünnen Materialien völlig anders als hohe Frequenzen.
| Frequenz | Wellenlänge ungefähr | ¼-Wellenlänge ungefähr |
|---|---|---|
| 100 Hz | 3,43 m | 0,86 m |
| 150 Hz | 2,29 m | 0,57 m |
| 500 Hz | 0,69 m | 0,17 m |
| 1’000 Hz | 0,34 m | 0,086 m |
Warum poröse Absorber nicht bei jeder Frequenz gleich wirken
Poröse Materialien wandeln die Bewegung der Luftteilchen durch Reibung in Wärme um. Besonders wirksam sind sie dort, wo die Teilchengeschwindigkeit hoch ist. Direkt an einer schallharten Wand liegt ein Druckmaximum, während die Teilchengeschwindigkeit klein ist. Mit zunehmendem Abstand zur Wand steigt die Wirksamkeit für tiefere Frequenzen.
Was bedeutet „Eindringtiefe“ praktisch?
Hohe Frequenzen werden bereits in relativ dünnen Schichten deutlich gedämpft. Bei tiefen Frequenzen bewegt sich die Luft über grössere Distanzen. Ein dünner Absorber an der Wand kann daher 1–4 kHz sehr gut reduzieren, während 100–200 Hz nahezu unbeeinflusst bleiben.
Hohe Frequenzen
kurze Wellenlängen, mit geringerer Bautiefe gut absorbierbar
Mittlere Frequenzen
Materialdicke und Abstand zur Wand werden zunehmend relevant
Tiefe Frequenzen
grosse Bautiefen oder gezielt abgestimmte Resonanzabsorber erforderlich
Welche Systeme eignen sich für Tiefton?
- dicke poröse Absorber mit ausreichender Bautiefe
- poröse Absorber mit konstruktiv sinnvoll dimensioniertem Luftspalt
- Platten- und Membranabsorber für definierte Frequenzbereiche
- Helmholtz- oder Schlitzresonatoren bei gezielten Problemfrequenzen
- kombinierte Systeme für breitbandige Wirkung
Warum „viel Absorption“ auch falsch klingen kann
Wenn nur hohe Frequenzen stark absorbiert werden, der Tiefton aber lange nachschwingt, entsteht ein unausgewogenes Klangbild. Sprache kann dumpf wirken, Musik verliert Brillanz, während Raummoden weiterhin dominieren. Gute Raumakustik bedeutet deshalb nicht maximale, sondern ausgewogene Absorption.
Wie wir Absorber dimensionieren
Wir betrachten Nutzung, Raumvolumen, Oberflächen, Nachhallzeit, Frequenzgang und vorhandene Problemfrequenzen. Bei anspruchsvollen Räumen kombinieren wir Messung und Berechnung, statt Absorber nur nach Fläche zu dimensionieren.
Absorber passend zum Frequenzproblem planen
Wir messen Nachhall und Problemfrequenzen und dimensionieren die Akustikmassnahmen auf die tatsächliche Nutzung.
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